selbstgemachte Schrägbänder in rot mit Muster und blauem Leinen
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Schrägband selber machen – das ist die einfachste Art

Das gute alte Einfassband ist so ein Artikel, den man in jeder Kurzwarenabteilung findet und wenn es darauf ankommt, doch nicht in der passenden Farbe zuhause hat. Aber wusstest du, dass Schrägband selber machen super einfach ist? 

Meine ersten Schrägbänder habe ich gekauft, als ich noch gar nicht wieder richtig genäht habe. Heute erinnere ich mich immer mal wieder daran, wie ich als Studentin in Frankreich gelebt habe und mit Freundinnen gelegentlich im Stoffgeschäft “La Droguerie” Bänder in ganz tollem Liberty-Muster gekauft habe. Das haben wir dann einfach geknotet als sommerliches Armband getragen. 

Damals war mir noch nicht klar, wofür man Schrägband “eigentlich” nutzt, wie vielseitig es ist und vor allem, wie leicht man es aus Stoffresten auch selber machen kann. 

Erst vor kurzem habe ich die ersten Stücke Schrägband selbst gemacht und für mich nun die perfekte Technik gefunden, um meterweise Einfassband aus meinen Lieblingsstoffen zu machen.

Ich teile mit dir, wie es wirklich ganz einfach geht, worauf du achten musst und was es sonst noch so über Schrägband zu wissen gibt. 

Hier geht’s direkt zur Anleitung.


Was ist Schrägband?

Schrägband, auch Einfassband genannt, ist ein vorgefalztes Band, das vor allem dafür verwendet wird, Kanten sauber einzufassen. Meistens ist es aus Baumwoll-Webware hergestellt und in zahlreichen Farben und teilweise auch Mustern erhältlich. Manche Stoffhersteller bringen auch passend zu ihren Kollektionen Schrägbänder auf den Markt.

Es heißt Schrägband, weil es schräg zum Fadenlauf zugeschnitten wird. Um genau zu sein im 45°-Winkel des Stoffes, denn nur dann bietet Webware eine gewisse Elastizität und lässt sich auch um Rundungen legen und nähen, ohne den Stoff zu verziehen. 

Fertiges Schrägband gibt es ein- oder zweifach vorgefalzt in verschiedenen Breiten zu kaufen. Oft findet man es einfach gefalzt in 20 mm, 30 mm oder 40 mm.

Das Schrägband ist aufgefaltet immer in etwa 4 mal so breit, wie es am Ende verarbeitet sein soll. Ein 20 mm einfach vorgefalztes Schrägband ist ganz aufgeklappt also knapp 40 mm breit und eignet sich gut, um eine Kante ca. 1 cm einzufassen. 

Die gängigsten Breiten für Schrägbandformer sind 12 mm, 18 mm, 25 mm, oft gibt es sie direkt als Set. Hier ist der aufgeklappte Stoffstreifen dann doppelt so breit wie auf dem Schrägbandformer angegeben. Für ein 18 mm breites Schrägband wird also ein ca. 36 mm breiter Streifen zugeschnitten.

Wofür du Schrägband nutzen kannst

Schrägband kannst du auf verschiedene Weise nutzen, wie so oft kannst du hier kreativ werden und so vielleicht immer neue Nutzungsmöglichkeiten für dich entdecken. 

Ganz klassisch wird Schrägband zum Einfassen von Kanten genutzt, daher auch der oft verwendete Begriff Einfassband. So kann man zum Beispiel an einer Decke, einem Lätzchen, an Taschen oder natürlich Kleidung offene Kanten sauber verschließen. 

Besonders bei hochwertiger Kleidung sind die Innennähte oft mit Schrägband akkurat eingefasst, sodass wirklich keine Nähte sichtbar sind. Das sieht natürlich fantastisch aus, macht das jeweilige Projekt aber auch deutlich aufwändiger.

Darüberhinaus kann man mit Schrägband auch

  • versäubern, z.B. für einen Halsausschnitt, einen Streberstreifen oder innenliegende Nähte, wenn nicht gefüttert wird und ich es super sauber haben möchte.
  • DIY-Label oder Etiketten herstellen. Das ist tatsächlich eine meiner liebsten Möglichkeiten, die Mini-Reste (4 cm genügen schon) des Schrägbandes noch zu nutzen und nicht wegzuwerfen. So kannst du kleine, feine Details einbringen, die deine Handarbeit zu Unikaten machen.
  • Kordeln für Mützen, Hosen, Pullover oder Hängeschlaufen selber machen. Dafür einfach die bereits gefalzten, “offenen” Kanten knappkantig absteppen, schon hast du eine flache Kordel.
  • eine super simple Girlande nähen. Das Schrägband dient hier zum Einfassen und als Band zum Aufhängen der Girlande gleichermaßen. Super easy und ein perfektes Projekt zum Stoffreste verwerten. 
  • ein ganz schnelles Armband aus deinem absoluten Lieblingsstoff knoten. 

Du siehst, es gibt so viele tolle Möglichkeiten, Schrägband zu nutzen. Neben aufwändiger Versäuberungsarbeit sind auch schnelle DIY-Projekte dabei, die jeder Anfänger erfolgreich umsetzen kann.

DIY-Label aus Schrägband

Aus welchem Stoff du Schrägband selber machen kannst

Schrägband aus Webware

Schrägband wird hauptsächlich aus Webware hergestellt. Durch den Zuschnitt in der Schrägen werden aus den eigentlich kaum dehnbaren Stoffen formbare Bänder. 

So kannst du nicht nur Baumwollwebware hervorragend verwenden, sondern zum Beispiel auch Schrägband aus Musselin selber machen. Dieses eignet sich besonders gut, um wunderbar weiche Kleider, Hosen oder Hemden für Kinder zu nähen. Auch aus Resten von Viskose, Popeline  lässt sich ganz easy Einfassband machen und für zahlreiche Projekte verwenden. 

Besonders Stoffreste, alte Bettlaken, Vorhänge oder aussortierte Hemden eignen sich ganz wunderbar, um Schrägband meterweise herzustellen. 

Das blaue Schrägband aus Leinen ist zum Beispiel aus dem Rest eines IKEA-Vorhanges entstanden. Den Leinenvorhang hatte ich vor einiger Zeit in der Fundgrube ergattert, gekürzt und die Reststücke natürlich in meinen Stofffundus sortiert. So entsteht in einem freien Moment nachhaltiges Schrägband aus Stoffresten.

Schrägband aus Jersey

Du kannst Einfassband natürlich auch aus Jersey oder anderen dünnen, elastischen Stoffen selber machen. Den Schrägbandformer kannst du wunderbar für das Falzen und Bügeln nutzen. 

Da Jersey bereits dehnbar ist, erübrigt sich der schräge Zuschnitt im 45°-Winkel. Die Bezeichnung Schrägband ist dann also nicht ganz korrekt, Einfassband ist hier passender. 


Tipp: Wenn du Einfassband aus Jersey selbst machen möchtest, kannst du den Stoffstreifen einfach gerade, im rechten Winkel zum Fadenlauf zuschneiden. Damit sich der Stoff nicht so sehr einrollt und nach dem Bügeln die Form hält, ist es ratsam, ein wenig Sprühstärke zu nutzen.

Kann ich als Anfänger Schrägband selber machen?

Selbst wenn du dich zu Beginn vielleicht nicht an Projekte wagst, in denen alle Innennähte aufwändig eingefasst werden, ist schönes Schrägband ein Must-Have in deiner Kurzwaren-Schublade.

Und wenn du meiner Anleitung Schritt für Schritt folgst und dabei genau arbeitest, wirst du gleich beim ersten Versuch über 2 Meter Schrägband zaubern – nachhaltig und aus deinem Lieblingsstoff. 

Auch als Anfänger wirst du viele tolle Projekte finden, bei denen dein selbstgemachtes Schrägband zum Einsatz kommt, sei es als optisches Highlight, als Versäuberung oder als Kordel.

Das brauchst du für die Umsetzung

20 Min | EASY

Um aus einem quadratischen Stück Stoff selber ca. 2,30 m Schrägband zu machen, benötigst du nicht viel. Selbst ein Schrägbandformer ist zum Ausprobieren nicht zwingend notwendig. 

Du brauchst:

  • Einen Stoffrest Webware, z.B. Baumwolle, Musselin oder Leinen von bestenfalls 30 x 30 cm oder mehr, im Quadrat zugeschnitten
  • Patchworklineal oder großes Geodreieck
  • Schrägbandformer (weiter unten erkläre ich dir, wie du OHNE Schrägbandformer Schrägband machen kannst
  • Stoffschere
  • eventuell Rollschneider
  • Schneiderkreide oder Marker zum Anzeichnen
  • Nähgarn (Allesnäher)
  • Stecknadeln
  • Nähmaschine
  • Bügeleisen und -unterlage

So einfach geht’s

Schritt 1

Schneide ein Stück Stoff gerade zum Fadenlauf als Quadrat zu. 

Schritt 2

Schneide das Quadrat genau im 45°-Winkel in der Mitte durch. Am einfachsten geht das mit einem Patchworklineal oder einem großen Geodreieck.

Schritt 3

Lege die untere Kante des linken Dreiecks rechts auf rechts an die obere Kante des rechten Dreiecks und verschiebe es um die Nahtzugabe (5 mm) nach rechts.

Ich nähe mit 5 mm Nahtzugabe, daher steht ein Zipefel von 5 mm über. Das ist wichtig, damit das gleich entstehende Parallelogram an den Ecken bündig ist.

Schritt 4

Nähe im Geradestich entlang der festgesteckten Kante mit 5 mm Nahtzugabe.

Öffne die zusammengenähten Dreiecke, sodass ein Parallelogramm vor dir liegt und bügle die Nahtzugaben sauber auseinander.

Schritt 5

Zeichne nun auf der linken Stoffseite parallele Linien mit einem Abstand von 36 mm.

Der Abstand ergibt sich aus der Breite deines gewünschten Stoffstreifens. Wenn du mit einem 18 mm Schrägbandformer arbeitest (am Ende 9mm breite Einfassung), sollte dein Stoffstreifen doppelt so breit sein, wie der Schrägbandformer, bzw. 4 mal so breit wie das final doppelt gefalzte Schrägband. Mein Schrägbandformer ist 18 mm breit, deshalb zeichne ich die Linien all 36 mm ein. Meiner Erfahrung nach funktioniert es aber auch mit 40 mm im 18mm-Former wunderbar.

Schritt 6

Klappe die schrägen Seiten des Parallelogramms zur Mitte, nun liegen deine Linien genau auf einer Höhe.

Verschiebe nun den Stoff genau um eine Linie zur Seite. 

Schritt 7

Stecke alles sauber fest. Achte darauf, dass die eingezeichneten Linien bei genau 5 mm (Nahtzugabe) Abstand vom Rand aufeinandertreffen. 

Nähe mit 5 mm Nahtzugabe im Geradstich entlang der abgesteckten Kante.

Schritt 8

Es ist nun eine Art Röhre entstanden. Bügle die Nahtzugaben sauber auseinander und kürze eventuell zu breite Nahtzugaben ein. 

Schneide mit der Stoffschere genau entlang der Linien. Falls du eine Seite mit einem schmaleren Streifen hast, der nicht so breit ist, wie gewünscht, achte darauf, an der Seite zu beginnen, wo dein Streifen die notwendige Breite hat. 

Achte darauf, nicht versehentlich in den darunterliegenden Stoff zu schneiden. Dazu lege ich den Stoff meist wie einen Ärmel um meine Hand und schneide quasi in der Luft.

Schritt 9

Schiebe den Anfang des Stoffstreifens in die hohen Seite des Schrägbandformers. Die linke Stoffseite liegt dabei oben. Falls der Stoff sich nicht gut durchzieht, kannst du mit einer Nadel durch den kleinen Schlitz weiterschieben, bis er an der flachen Seite herauskommt. 

Kontrolliere, ob alles gerade liegt und die Ränder sauber zur Mitte gefalzt werden.

Schritt 10

Bügel dein Schrägband sobald es aus dem Schrägbandformer austritt mit Dampf und ziehe den Schrägbandformer Stück für Stück weiter. 

Tipp: Ich finde es einfacher, den Schrägbandformer “falsch herum” zu legen, sodass die eingeschlagenen Kanten unten sind und die rechte Seite des Schrägbandes oben liegt. Mein Ergebnis ist dann sauberer, weil die gefalzten und gebügelten Kanten unter dem Stoff liegen und nicht versehentlich wieder leicht aufklappen. 

Voilà!

Schrägband ohne Schrägbandformer selber machen

Du kannst Schrägband auch ohne Schrägbandformer selber machen. Dafür gibt es sogar drei Möglichkeiten:

Variante 1 – Einfach bügeln

Einfach den zugeschnittenen Streifen einmal der Länge nach falten, bügeln, wieder öffnen und dann beide langen Seiten zur entstandenen Bügelkante hin klappen und einbügeln. Das funktioniert also im Prinzip, als würdest du einen Saum bügeln.

Das funktioniert bei kurzen Stücken, z.B. für einen Streberstreifen ganz gut, bei längeren Schrägbändern ist es ziemlich zeitaufwändig. Dafür eignet sich diese Möglichkeit besser:

Variante 2 – Nadel als Schrägbandformer

Um das Falzen auch bei längeren Stücken zu erleichtern, kannst du eine (am besten lange) Nadel so in deine Bügelunterlage stecken, dass ein Tunnel in der gewünschten Breite des Schrägbandes entsteht.

Dann den Stoffstreifen zur Mitte vorfalten und den Anfang wie durch einen Schrägbandformer durchziehen. Die Falz des restlichen Stoffstreifens wird nun durch die Nadel gemacht. Wie bei einem Schrägbandformer sofort bügeln – fertig ist das DIY-Schrägband ohne Schrägbandformer.

Variante 3 – Schrägbandformer aus Karton

Falls du keine lange Nadel hast oder sie nicht jedes Mal neu positionieren möchtest, kannst du auch einen DIY-Schrägbandformer basteln.

Das geht ganz einfach aus Karton, zugeschnitten mit dem Cuttermesser oder noch genauer, mit dem Schneideplotter.

Bei Stoffe Hemmers ist hier ganz unten im Artikel super erklärt, wie das funktioniert.

Zusammenfassung

Schrägband selber machen ist eine super Idee für Stoffreste. Du kaufst nichts neu und deine kleine, feine Kurzwarensammlung wird mit deinen schönsten Einfassbändern erweitert. 

So kannst dir zum Beispiel auch mitten in der Nacht das perfekt zum Projekt passende Schrägband selbst herstellen oder deinen Lieblingsstoff als Highlight und Wiedererkennungsmerkmal deiner Werke nutzen. 

Bei der Herstellung ist nur wichtig, dass du genau arbeitest und dir beim Anzeichnen der Linien und dem Zusammenstecken des Stoffes einen Moment Zeit nimmst. Dafür geht es danach wirklich ganz schnell und du musst nicht viele einzelne Streifen aneinander nähen.

Ich habe erst vor kurzem begonnen, mein Schrägband selber zu machen und bin begeistert, wie gut es funktioniert und wie viele Möglichkeiten ich nun habe. Ich finde den Prozess sogar entspannend und der Moment, in dem das fertige Einfassband aus dem Schrägbandformer rutscht, ist eine richtige kleine Belohnung. 

Wenn du auch nach Möglichkeiten suchst, nachhaltiger zu nähen und dafür ca. 30 x 30 cm Stoffreste hast, ist die Herstellung von DIY-Schrägband ein schönes und schnelles Projekt.

Alles Liebe, Julia

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